Thursday, May 16, 2024

LEBEN IST LEIDEN

Vor ein paar Tagen ist ganz unverhofft mein geliebter Kater Wilbur gestorben. Wilbur war 13 Jahre lang mein treuer Begleiter, der mir Freude spendete und eine lebendige Erinnerung an meine im letzten Jahr verstorbene Frau war. Sein Verlust hat mich tief getroffen, und ich bin geneigt zu sagen, dass die Trauer wieder einmal bei mir eingekehrt ist. Aber ist sie das wirklich? Ist sie tatsächlich dieser unerwartete Gast, der immer wieder sporadisch in meinem Leben auftaucht? Oder ist sie schon seit langem mein ständiger Untermieter?
 
Nicht jedes Leiden ist gleich schwer und bedeutsam, so dass die Vermutung nahe liegt, dass wir irgendwann in unserer Entwicklung aufgehört haben, das Leiden in seinen Nuancen als unseren täglichen Begleiter wahrzunehmen.

Die Suche nach einer Erklärung, warum Leid und Trauer in diesem Leben an der Tagesordnung sind, beschäftigt die Menschen seit ihrem Exodus in dieses vergängliche Dasein.  Die Frage nach dem Warum kann ich mir nur mit dem Wissen beantworten, das mir mein Glaube lehrt.  Und der sagt mir, dass wenn das Leben Leiden ist, wir lernen müssen, das Leiden zu leben.
 
WENN LEBEN LEIDEN IST, DANN MÜSSEN WIR LERNEN, LEIDEN ZU LEBEN
 
Gott hat uns kein Leben ohne Leiden versprochen. Stattdessen fordert Er uns auf, uns selbst zu verleugnen und unser Kreuz zu tragen (Matthäus 16,24).  Das ist auf den ersten Blick keine sehr einladende Aufforderung.  Aber Er sagt uns auch immer wieder, dass Er uns nie verlassen wird (Matthäus 28,20), was bedeutet, dass Sein Beistand, Seine Wunder, Seine Weisheit, uns auf unserem ganzen Weg begleiten.

Um wirklich zu leben, müssen wir bereit sein, das Leiden in all seinen Facetten anzunehmen und zu integrieren. Denn nur wenn wir ihm begegnen und es durchleben, können wir sein Wesen verstehen und daraus Weisheit und Kraft schöpfen.  Und genau darum geht es: nicht aufzugeben, sondern aus dem Leiden zu schöpfen.

Jesus lehrt uns, dass das Leiden ein unvermeidlicher Teil des Lebens ist, dem wir uns stellen und das wir annehmen müssen. Er selbst ging uns dabei voran, indem er die schwersten Qualen auf sich nahm und am Kreuz den Tod erlitt. Doch sein Leiden war nicht sinnlos, es war der Weg zur Erlösung und Auferstehung aller, die ihm nachfolgen.

Durch sein Vorbild zeigt uns Jesus, dass wir das Leiden nicht fürchten oder verdrängen sollen, sondern ihm mit Demut, Vertrauen und sogar Freude begegnen können. Denn wer das Leiden annimmt und durchlebt, der öffnet sich für die Gnade Gottes und die Möglichkeit der Transformation.

AUS UNSEREN TIEFEN ERWECKT GOTT NEUE HÖHEN

In 1. Mose 50,20 sagt Josef zu seinen Brüdern, die er nach Jahren wiedersieht, nachdem sie ihn in die Sklaverei verkauften: "Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus gemacht. Durch meine hohe Stellung habe ich vielen Menschen das Leben gerettet".

Der Römerbrief 8,28 bekräftigt: "Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." Gott kann selbst schwierige Umstände zum Guten lenken für diejenigen, die an ihn glauben.

Hiob erkannte inmitten seines großen Leidens, dass alles von Gott kam - "Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen" (Hiob 1,21). Obwohl es zunächst negativ erschien, vertraute Hiob darauf, dass Gott darin einen guten Plan verfolgte.

Die Bibel zeigt immer wieder, dass Gott souverän über allen Umständen steht und selbst aus dem vermeintlich Negativen noch etwas Gutes hervorbringen kann für diejenigen, die ihm vertrauen.

DER SCHMERZ GOTTES

Obwohl das biblische Leiden meist im Kontext des Leidens innerhalb des Glaubens verstanden wird, erklärt die Bibel auch, warum diese Welt, dieses Leben, im Allgemeinen Leiden IST.
Wir vergessen oft den Teil der Schöpfungsgeschichte, in dem Gott zutiefst bedauert, den Menschen erschaffen zu haben.

1 Mose 6,6 - "Der Herr sah, dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun. Der Herr war tieftraurig darüber und wünschte, er hätte die Menschen nie erschaffen".

DIE UNVOLLKOMMENHEIT DER SCHÖPFUNG

Unser weltliches Leiden hat seinen Ursprung in der gefallenen und sündigen Natur der Welt und der Menschen. Krankheiten, Tod. Naturkatastrophen, zwischenmenschliche Konflikte und vieles mehr, sind eine Folge der gestörten Beziehung zu Gott und der daraus resultierenden Unvollkommenheit der Schöpfung.  Nur deshalb ist Jesus, der menschgewordene Gott, in diese Welt gekommen - um die Schöpfung wieder vollkommen zu machen.  Nicht für diese Existenz, sondern für die nächste.

Das "Leiden leben" ist kein einfacher Weg, aber es ist der einzige Weg, der uns zu wahrer Erfüllung und Selbsterkenntnis führen kann. Dadurch dass wir den Schmerz annehmen und durchleben, anstatt ihn zu fürchten oder zu verdrängen, befreien wir uns von seinen Fesseln und öffnen uns für ein Leben in Achtsamkeit, Dankbarkeit und dem Frieden Gottes in uns, der alles Verständnis übersteigt.

Den Kreislauf von Leben und Tod, von Kommen und Gehen in unserer Welt wird es nicht immer geben, denn diese Welt wird es nicht immer geben.  Und das gibt Hoffnung!
Wir sind zwar in diesem Augenblick wie winzige Funken in einem riesigen Feuer, aber dennoch durch Jesus untrennbar mit Gott und Seiner Liebe verbunden.  Seine Liebe ist unsere Hoffnung und unsere Freude.

Friday, April 5, 2024

DIE UNERWARTETEN GESCHENKE DER TRAUER

Es ist ein Jahr her, dass meine Frau diese Welt verlassen hat, und in den letzten Wochen habe ich versucht, meine Gedanken zu sammeln, um auszudrücken, wie Gott aus den Trümmern dessen, was ich für mein zerbrochenes Leben hielt, behutsam ein neues Fundament des Glaubens, der Hoffnung und einer ewigen Perspektive errichtet, die ich mir nie hätte vorstellen können.

Mir kam ein Zitat in den Sinn, das ich schon öfters hörte. Es lautet wie folgt:

 "Ich bat um Stärke, und Gott gab mir Schwierigkeiten, um mich stark zu machen.
  Ich habe um Weisheit gebeten, und Gott hat mir Probleme gegeben, damit ich lerne, sie zu lösen.
  Ich habe um Mut gebeten, und Gott hat mir Gefahren gegeben, die ich überwinden muss.
  Ich bat um Liebe, und Gott gab mir Menschen, denen ich helfen konnte.
  Ich erhielt nichts, was ich wollte.
  Ich erhielt alles, was ich brauchte."
 
- Hazrat Inayat Khan

Ich erinnere mich noch lebhaft an das Schicksalsjahr 2021, den Sommer, als unser langjähriger Vermieter die gefürchtete Kündigung aussprach! Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen wir diesen Ort unser Zuhause nannten, mussten wir ihn verlassen. Wir waren schockiert. Wohin sollten wir gehen? Wie sollten wir in so kurzer Zeit eine geeignete und bezahlbare neue Wohnung finden?
Gerade als alle Hoffnung verloren schien, zeigte uns Gott unser neues Zuhause, und wenn ich sage "Gott zeigte uns", dann meine ich das wirklich. Es war das schönste und perfekteste Haus für uns, das wir uns je hätten vorstellen können.  Wir waren beide dankbar, und in meiner Dankbarkeit betete ich immer wieder das gleiche Gebet: "Herr, lass mich in allen Aspekten meines Lebens wachsen, in diesem neuen Haus und in diesem neuen Kapitel unserer Reise, zu Deiner Ehre."

Aus irgendeinem Grund hatte ich bestimmte Erwartungen. Ich dachte, Gott würde mich ein wenig aus meiner Komfortzone stoßen, damit ich ein stärkerer Mensch werde.
Ich wusste nicht, dass Gott eine weitaus tiefgreifendere und transformierende Reise für mich bereithielt. Anstelle eines sanften Anstoßes schickte er mich mitten in einen tobenden Sturm hinein. Eine Reise durch Schmerz, Depression und Angst, die mich zu verschlingen drohte, während er mir gleichzeitig einen Frieden anbot, der alles Verständnis übersteigt. Jesus zu folgen, kann manchmal wirklich wie ein Widerspruch in sich aussehen - aber nur, wenn man auf seine eigenen Erwartungen hofft.

Zuerst erkrankte ich an einem extrem schmerzhaften Bandscheibenvorfall, der mich sieben Monate lang außer Gefecht setzte. Dann, als ich bereit war, wieder zu arbeiten, ging meine Ausrüstung kaputt und ich konnte mir keine neue Ausrüstung leisten.
Ein Freund organisierte eine Spendenaktion für uns und es ging langsam aber sicher voran, was sehr ermutigend war. In der zweiten Woche der Spendenaktion starb dann unerwartet meine Frau an einem Herzinfarkt im Auto.
Nun war die Liebe meines Lebens weg.  Einfach so. Heraussgerissen aus meinem Leben. Außerdem hatte ich kein Auto mehr, das Einkommen meiner Frau war weg, Beerdigungskosten drohten und so weiter.  Die Last dieser Herausforderungen, gepaart mit den starken Depressionen und Ängsten, die mich nun übermannten, war unerträglich.

Gottes Gedanken und Wege gehen weit über unser eigenes begrenztes menschliches Verständnis hinaus (Jesaja 55:8-9). Gott dringt in die intimen Bereiche unseres Lebens ein, um uns zu formen und zu läutern. Durch Prüfungen, Herausforderungen und göttliche Eingriffe wirkt Gott auf uns ein, um uns zu verwandeln, unseren Glauben zu stärken, unsere Zerbrochenheit zu heilen und mehr von seiner Herrlichkeit zu offenbaren.
Und er tut dies, ohne seine Gerechtigkeit, seine Treue, seine Liebe und seine Güte in Frage zu stellen.

Erst vor ein paar Wochen, nach fast einem Jahr ohne die Liebe meines Lebens, nachdem ich mit der Dunkelheit der Depression und den Ängsten konfrontiert war, die mich zu verschlingen drohten, musste ich die bewusste Entscheidung treffen, der Dunkelheit nicht mehr nachzugeben und stattdessen das zu leben, woran ich glaube - die unerschütterliche Wahrheit von Gottes Liebe und Führung, die besagt: "Freue dich, auch wenn die Welt dir sagt, dass es keinen Grund zur Freude gibt."  

Ich arbeite immernoch daran diese Dunkelheit ganz und gar zu überwinden - aber ich bin fest entschlossen!

Letztes Jahr dachte ich, ich hätte alles verloren. Aber Gott hat mich gelehrt, dass das nicht der Fall ist. Anstatt mich auf das zu konzentrieren, was mir genommen wurde, möchte Gott, dass ich meine Perspektive ändere und den unermesslichen Segen erkenne, der bleibt, und den neuen Segen, der sich offenbart, während ich zusammen mit Gott durch dieses neue Kapitel meines Lebens gehe.

Meine Beziehung zu meiner Frau ist nicht beendet. Sie lebt nun in der Ewigkeit, wo sie sein wollte, geheilt, und sie wartet auf mich in der Gegenwart Gottes (1 Thessalonicher 4:16-17).
Meine Beziehung zu Gott hat sich vertieft, und ich habe ein viel tieferes Verständnis davon, wer Gott ist.  Gott hat mir eine klarere Vision der Ewigkeit und meiner eigenen Bestimmung in dieser Welt gegeben.

Und das Beste ist, dass Gott mich mit der Freude gesegnet hat, die aus der gesunden Sehnsucht entsteht, eines Tages nach Hause zu gehen.

Verstehe mich nicht falsch, die Trauer wird mich ein Leben lang begleiten. Ich versuche jedoch, sie nicht als Last zu sehen, sondern als "willkommenen Besucher" - eine Erinnerung an die Liebe, die ich mit meiner Frau geteilt habe, und das göttliche Versprechen, wieder mit ihr vereint zu sein. Ich glaube, dass eine gesunde Trauer den Menschen, den man verloren hat, ehrt.

Ich erkenne, dass ich eine Wahl habe, wie ich mit meiner Trauer umgehe. Ich könnte zulassen, dass sie mich verzehrt und ich sie zu einer Art falschem "Gott" mache, der mein Leben beherrscht. Oder ich kann die Wahrheit und den Trost annehmen, den mir Gott bietet. Er ruft mich auf, mich zu freuen, und verspricht mir einen Frieden, der alles Verständnis übersteigt. Dieser göttliche Friede ist in der Lage, mich mit einer freudigen Erwartung zu erfüllen, während ich mich auf den Tag freue, an dem ich mit meiner Frau in einer ewigen Herrlichkeit wieder vereint sein werde.

Wenn ich durch die Linse meines Glaubens schaue, habe ich die Möglichkeit zu erkennen, dass selbst inmitten der größten Tragödie eine Quelle der Hoffnung und Freude darauf wartet, angezapft zu werden. Es ist die unerschütterliche Liebe Gottes, die die Macht hat, unsere Tränen in Triumph und unsere Trauer in Tanz zu verwandeln.
Wie tief unser Kummer auch sein mag, er wird letztlich von der grenzenlosen Freude überschattet, die uns Gott auf unserem gemeinsamen Weg in das kommende Leben beschert.

Wednesday, April 3, 2024

ANGST

Angst ist eine universelle Erfahrung. Niemand wird davon verschont. Angst macht keine Unterschiede; Es ist ihr egal, wer du bist oder woher du kommst.

Die Kraft Gottes in uns
In Momenten der Angst scheinen wir zunächst wie gelähmt zu sein. Unsere Gedanken beginnen, noch mehr irrationale Ängste und Katastrophen zu formen, die dann zu einer Wahrheit für uns werden, die uns völlig aus den Angeln zu heben versucht. Aber in Wirklichkeit sind diese Gedanken eine Lüge. Eine Lüge, die wir aus den Bausteinen dieser unvollkommenen Welt zusammengesetzt haben.
 
Wenn wir „Ja“ zu Gott sagen, wenn wir „Ja“ zu Jesus sagen, dann dürfen wir glauben, dass die Kraft seines Geistes, der in allen wirkt, die ihr Leben Jesus übergeben haben, stärker ist als jede Angst, die uns in dieser Welt begegnen kann.  
„Der Geist, der in euch lebt, ist größer und stärker als der, der die Welt beherrscht.“ (1. Johannes 4,4)  

Gott hat uns mit innerer Stärke beschenkt. Sie ermöglicht uns, der Angst standzuhalten und zu sagen: „Heute nicht!“, anstatt uns vor ihr zu verstecken. 

Gottes Zusage der Furchtlosigkeit
In den Evangelien spricht Jesus mehr als hundert Mal von den Ängsten, Sorgen und Befürchtungen der Menschen um ihn herum. Er tut dies nicht nur, um Trost zu spenden, sondern um die Menschen, denen er begegnet, die geistliche Bedeutung ihrer Ängste verständlich zu machen.
Er betont, dass Angst nicht von Gott stammt, sondern ein Ausdruck des fehlenden Vertrauens in Gott ist. Als ob wir sagen würden: "Gott, ich zweifle daran, dass du alles im Griff hast - lass mich mal versuchen."
"Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Ängstlichkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit" -  2 Timotheus 1:7

Vertrauen in die göttliche Kraft
Wenn wir uns auf Gott verlassen, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, wenn die Angst an unsere Tür klopft. Denn dann werden unsere Ängste und unsere Sorgen zu Gottes Anliegen, und er nimmt die ganze Last auf sich, damit wir in der Freiheit und in dem Frieden leben können, den er uns versprochen hat.
"Meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Deshalb seid nicht bestürzt und habt keine Angst!" - Johannes 14:27

An etwas zu glauben, ist eine Sache.  Aber den Glauben zu leben ist ein oft schwieriger Prozess, der aber letztendlich zu dem von Jesus verheißenen Frieden führt, der alles Verständniss übersteigt.

"Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid". - Philipper 4:7

Saturday, March 30, 2024

ISAAK LEBT

Heute musste ich an eine Zeit zurückdenken, in der Gott mich aufforderte, das zu opfern, was ich liebe. Vor einiger Zeit machte ich eine lebensverändernde 30-tägige Daniel-Fastenzeit. Am 27. Tag führte mich Gott an einen Punkt, an dem ich mein Herz fragen musste: Was liebe ich wirklich? Und was sind die Prioritäten in meinem Leben?

Mein Beruf, meine Leidenschaft, mein ganzes Leben dreht sich ums kreative Musizieren. Es ist mein Ausdruck, mein Trost, mein Glück – und oft ein Segen für andere. Und ja, natürlich liebe ich Jesus und ich glaube, dass ich das lebe, was Er von mir erwartet..

Doch was, wenn all das, was ich liebe, mit dem konkurriert, der mir all diese Gaben schenkt? Was, wenn meine Leidenschaften eher zur Ablenkung als zu einem Werkzeug geworden sind?

In meinem Fastentagebuch schrieb ich am 27. Tag voller Verzweiflung:

„Gott spricht zu mir … ich zweifle an meinem Beruf als Musiker. Er fragt: ‚Liebst du meine Gaben mehr als Mich?‘ Ich antworte: ‚Herr, Du bist meine erste Liebe.‘ Ich kann Dir nicht ungehorsam sein, wenn ich Deine Stimme so klar höre. Ich flehe darum, die Musik nicht aus meinem Leben nehmen zu müssen, aber wenn es Dein Wille ist, dann muss es sein …“

Dann sagt Gott: „Isaak lebt!“

Diese Worte trafen mich tief. Obwohl ich mein Leben Christus gegeben hatte und sich meine Lebenseinstellung dadurch grundlegend verändert hatte, hielt ich immer noch an anderen Dingen fest. Doch Gott fordert uns auf, uns allein an Ihm festzuhalten.

Am 27. Fastentag begriff ich: Ich muss bereit sein, loszulassen. Bereit, alles, was ich liebe, aufzugeben – und stattdessen dem zu vertrauen, der mir all das geschenkt hat. Auch wenn es schmerzt, muss „Isaak sterben“. Doch als ich mich mit schwerem Herzen entschied, diese Dinge loszulassen, sagte Gott: „Isaak lebt …“

Gott fordert uns heraus, bereit zu sein, genau das zu opfern, was Er uns gegeben hat – nicht, um es zu zerstören, sondern um Raum zu schaffen, den nur Er ausfüllen kann.

Wie Abraham, der bereit war, seinen Sohn zu opfern.  Doch tief in seinem Herzen glaubte er, dass Gott eingreifen würde. Er vertraute darauf, dass Gott Isaak nach dem Opfer wieder zum Leben erwecken würde (Hebräer 11,19). Doch Gott ließ Abraham gar nicht so weit gehen. Er griff ein, als er das Vertrauen Abrahams in seine Weisheit und seinen Plan sah.

Wednesday, March 27, 2024

ENTWEDER WAR ER EIN NARR ODER ER IST WER ER SAGT DAS ER IST

C.S. Lewis (1898 – 1963) ist einer meiner Lieblings -"Influencer".  Sein Weg vom atheistischen Literatur- und Philosophieprofessor an der Universität Oxford zum einflussreichen Apologeten und Schriftsteller, dessen Bücher sogar erfolgreich verfilmt wurden, hat mich sehr beeindruckt.  
Zu einer Zeit, als ich glaubte, alles über Jesus zu wissen, was man wissen muss, las ich ein Zitat, das mich neugieriger auf Jesus machte und mich dazu motivierte, herausfinden zu wollen, wer Jesus war und was er eigentlich sagte. Schnell wurde mir klar, dass ich nichts über Jesus wusste.  Das Zitat von C.S. Lewis lautet wie folgt:

"Ein Mensch, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Entweder war dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen." - C. S. Lewis, (Pardon, ich bin Christ)

Wie die meisten Menschen habe auch ich Jesus auf eine Stufe mit Propheten und Lehrern wie Mohamed, Buddha, Zarathustra und anderen "guten Religionen" gestellt. Denn es macht ja Sinn, gut zu sein, positiv zu denken und zu lieben, um ein Leben zu führen, das von unserem inneren Gottesbewusstsein geleitet wird.
Außerdem stellt sich die Frage, ob denn nicht all diese 'Propheten', 'Erleuchteten' und 'göttlichen' ein und dasselbe sind, nämlich die Weisheit Gottes, was alle Religionen gleichsetzen würde.
Vergleicht man jedoch die verschiedenen Glaubensrichtungen miteinander, stellt man fest, dass sie sich fundamental unterscheiden.

Jede Religion hat eine Form von Gottesbewusstsein. Aber reicht das aus, um sie als die Wahrheit zu leben, die uns eine Ewigkeit garantieren soll? Wer an einen Gott oder an eine Existenz nach diesem Leben glaubt, sollte der oder die nicht dem folgen, der in Lehre und Tat behauptet, "Gott zu sein"?

"...man kann ihn (Jesus) nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen." - C.S. Lewis

  • Im Islam liegt der Grund für Vergebung in Allahs Allmacht, nicht in seiner Liebe. Sünden sind Verstöße gegen Allahs Gebote, die er nach Belieben vergibt. 
  • Im Hinduismus gibt es verschiedene Wege zur Erlösung, die auf dem Karma und der Überwindung des Begehrens basieren. Das Ziel ist die Erleuchtung und das Eingehen ins Nirwana.
  • Im Christentum kommt Gott selbst zu den Menschen in Jesus Christus, um ihnen Vergebung und ewiges Leben zu schenken. Das Heil ist eine Gabe Gottes, nicht etwas, das der Mensch durch eigene Anstrengungen erlangen muss.

Buddha, Mohamed, Zarathustra haben sich nie als Gott oder Schöpfer bezeichnet. Jesus aber sagt, wer ihn (Jesus) gesehen hat, der hat den Vater (Gott) gesehen (Johannes 14:9).

Jesus machte viele Aussagen darüber, wer er ist. Zum Beispiel sagte er, dass er lange vor Abraham existierte »Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren wurde, bin ich.«  - (Johannes 8:58). Er sagte dass er mit dem Vater (Gott) identisch ist (Johannes 5:17-18).  Jesus beanspruchte die Fähigkeit, Sünden zu vergeben (Markus 2:5-7), was die Bibel als etwas lehrt, das nur Gott selbst tun kann (Jesaja 43:25).

Im Neuen Testament wird Jesus mit dem Schöpfer des Universums gleichgesetzt (Johannes 1:1-3) und als derjenige bezeichnet, der alles zusammenhält und über der Schöpfung steht (Kolosser 1:17).. Der Apostel Paulus sagt, dass Gott sich durch Jesus im Fleisch (als Mensch) offenbart hat (1 Timotheus 3:16) , und Johannes sagt, dass das Wort, durch welches alles erschaffen wurde Jesus war (Johannes 1:1).

Das gesamte Alte Testament, welches 400 Jahre vor Jesus's Geburt existierte, weist sowohl in expliziten Prophezeiungen als auch in typologischen Mustern und Vorausdeutungen, auf die Person Jesus und sein Werk als der verheißene Messias und Erlöser der Welt hin.

Aber nicht nur die Freunde Jesu, sondern auch seine Feinde hörten seinen Anspruch, Gott zu sein.  Als Jesus die jüdischen Obersten fragte, warum sie ihn steinigen wollten, antworteten sie:  "Nicht wegen eines guten Werkes wollen wir dich steinigen, sondern wegen Gotteslästerung, und zwar weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst!"  (Johannes 10:33)..

Dass Jesus sich selbst als Gott bezeichnet, unterscheidet ihn von anderen religiösen Figuren.  In den großen Weltreligionen sind nicht die Lehrer, sondern nur die Lehren von Bedeutung.
Im Christentum hingegen steht die Person Jesus Christus im Mittelpunkt. Jesus beanspruchte nicht nur, die Wahrheit zu lehren, er beanspruchte auch, die Wahrheit zu sein (Johannes 14:6).

Wenn Jesus Gott ist, wie er behauptet hat, dann müssen wir an ihn glauben. Wenn er nicht der ist, der er zu sein behauptet, dann sollten wir nichts mit ihm zu tun haben. Jesus ist entweder der Gebieter Aller oder überhaupt kein Gebieter.

Die Bibel gibt uns viele Gründe, einschließlich Wunder und erfüllte Prophezeiungen, um zu erkennen, dass Jesus der ist, der er zu sein behauptet (Johannes 20:30-31)..  Aber das Zeichen, von dem Jesus selbst sagte, dass es beweisen würde, dass er der Sohn Gottes ist, war seine Auferstehung von den Toten. Ein Zeichen für die Welt, dass auch wir den Tod überwinden können.

Die Fähigkeit sein Leben vom Tod zurückzubringen war ein Zeichen, dass ihn nicht nur von allen anderen Religionen trennt, sondern von allen Menschen, die je auf dieser Erde gelebt haben
Die Bibel lehrt, dass wir in Sünde geboren werden und in Sünde sterben. Der einzige Weg aus dieser Sünde ist, dass jemand für unsere Schuld bezahlt. Eine Schuld, die wir niemals selbst tilgen können. Gott ist die höchste Gerechtigkeit, aber auch die höchste Gnade, die sich in dieser Gerechtigkeit entfaltet.  Jesus, der menschgewordene Gott, der sein Paradies verlassen hat und "als einer von uns" zu uns gekommen ist, um uns begreiflich zu machen, wer wir sind und warum wir einen Erlöser brauchen, ist dieser Tilger unserer Schuld. Sein Tod tilgt unsere Schuld, damit wir das ewige Leben erfahren können.  Das ist Gottes Liebe zu uns.

Denn Gott hat die Welt so geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.  - (Johannes 3:16).

Thursday, November 23, 2023

DANKE

In den USA ist heute "Thanksgiving", das Pendant zum Erntedankfest, das in Deutschland vor wenigen Wochen gefeiert wurde. Die Menschen wünschen sich heute gegenseitig "Happy Thanksgiving", ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass viele Empfänger dieses freudigen und gut gemeinten Wunsches nicht glücklich sein werden, weil ihre Gedanken und Gefühle an die Erinnerung an jemanden geknüpft sind, den sie verloren haben.
 
Ob dieser Verlust nun ein paar Monate oder ein paar Jahre her ist, spielt dabei keine Rolle. Verlust ist keine Wunde, die heilt, sondern ein Schorf, der jedes Mal aufbricht, wenn man ihn berührt.  Und heute ist einer dieser Tage.
 
Aber Gott sei Dank müssen Tage wie dieser nicht nur eine Erinnerung an das sein, was wir verloren haben, sondern sie können eine Erinnerung daran sein, welch großen Segen wir erhalten haben.  Auch wenn dieser Segen nicht so lange anhielt, wie wir es uns gewünscht hätten.

Diejenigen, die an Christus glauben, wissen, dass unsere Beziehungen nicht nur für eine kurze Zeit bestehen, sondern für die ganze Ewigkeit.  Gott mag unsere physische Verbindung zu den Menschen, die wir lieben, vorübergehend unterbrochen haben, aber er hat uns ein Wiedersehen mit ihnen in der Zukunft versprochen.  Dieses Versprechen soll uns hier und jetzt Hoffnung, Frieden und Kraft geben.

Welchen Schmerz wir auch immer erleben, das ist nicht das Ende der Geschichte! Ich glaube, dass dies ein guter Grund ist, für den heutigen Tag dankbar zu sein.
Es ist vielleicht kein "Happy" Erntedankfest, aber es kann dennoch ein Tag der Dankbarkeit sein, an dem Tränen der Hoffnung und Freude die Verzweiflung ersetzen.

"Wir sind betrübt, aber immer fröhlich" (2. Korinther 6,10).

Wednesday, November 22, 2023

Schmerz...

"Gott flüstert in unseren Freuden, er spricht in unserem Gewissen; in unseren Schmerzen aber ruft er laut. Sie sind sein Megafon, eine taube Welt aufzuwecken".  - C.S. Lewis

Wednesday, March 1, 2023

TRÄNEN & VERTRAUEN

Vor zwei Wochen hat meine Frau unerwartet ihren Weg in die Ewigkeit angetreten.
Ich stehe unter Schock, mein Herz steht still vor Schmerz, Unglauben und tiefer Traurigkeit. Viele gutmeinende Menschen versuchen, mich zu trösten, indem sie sagen: „Du brauchst einfach Zeit, um zu heilen.“. Doch ich frage mich: Heilen wovon?
Meine Frau ist unauslöschlich in mein Herz und meine Seele eingraviert. Wir wussten beide, dass wir füreinander ein kostbares Geschenk Gottes waren. Jetzt hat Gott sie nach Hause geholt, aus Gründen, die nur Er kennt.

Doch ich nehme den Plan meines himmlischen Vaters an, auch wenn Er mir davon nur so viel zeigt, wie meine Augen im Dunkel sehen können. Ich vertraue Ihm, und ich hoffe, dass Er mich mit einer immer wachsenden Liebe leben lässt, damit ich die Tiefe meiner Sehnsucht, wieder bei ihr zu sein, nie verliere.
Ich möchte, dass mein Verlangen, im Himmel bei Jesus und ihr zu sein, immer stärker wird – damit ich, wenn Gott mich nach Hause ruft, wirklich gelebt habe: in Seiner Kraft, unter Seiner Führung, für genau diesen einen heiligen Augenblick.

Mein Leben wird niemals mehr dasselbe sein. Doch das bedeutet nicht, dass es erfüllt sein muss von Traurigkeit. Ich weiß: Ich bin auf dem Weg, der Mensch zu werden, zu dem Gott mich am Ende formen will – und das ist gut.

Saturday, September 24, 2022

"Geld ist die Wurzel allen Übels"

Auch wenn es auf den ersten Blick Sinn macht,  steht dieser oft zitierte "Bibelspruch" so gar nicht in der Bibel.

Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an den jungen Timotheus: "Denn die Liebe zum Geld ist eine Wurzel, aus der alles nur erdenkliche Böse hervorwächst. Schon manche sind vom Glauben abgeirrt, weil sie der Geldgier verfallen sind, und haben dadurch bitteres Leid über sich gebracht" - (1 Timotheus 6:10)

Es ist also nicht das Geld das Übel hervorbringt, sondern die Liebe zum Geld aus der übles wachsen kann.  Jedes Wort ist von Bedeutung in der Bibel.  Lässt man Worte weg, bekommt die Aussage einen anderen Sinn.

Geld ist nichts schlechtes.  Man kann viel gutes tun mit Geld.  Aber das Horden,  die Gier, die Liebe zum Geld kreiert einen neuen, falschen gott und führt früher oder später zu Zerstörung und Leid.

Nichts was wir besitzen gehört uns, alles gehört  Gott.                                           (1 Korinther 10:26), (Psalmen 24:1)

Friday, September 16, 2022

ENTWEDER IST DER GLAUBE WAR ODER ER IST FALSCH

"Entweder ist der christliche Glaube war oder er ist falsch.  Wenn Du darauf vertraust, DASS er war ist und Du an Gott glaubst und dich ihm unterwirfst, wenn das also wahr ist, gewinnst du Gott, Himmel und alles andere.  Wenn er aber falsch ist, hast du nichts verloren.  Du hattest ein gutes Leben das gezeichnet war von Frieden und der Illusion das letztendlich alles Sinn macht.  Wenn du darauf vertraust, dass der Christliche Glaube NICHT war ist, sondern falsch, hast du auch nichts verloren. Wenn du aber darauf vertraust, dass der Christliche Glaube falsch ist und es stellt sich heraus, dass er wahr ist, hast du alles verloren und verbringst deine Ewigkeit in der Hölle."

Blaise Pascal (1623-1662)
franzoesischer Mathematiker, Physiker, Literat und christlicher Philosoph

Wednesday, February 2, 2022

* MEINE GESCHICHTE

Jeder Mensch hat eine einzigartige Geschichte. Meine mag vielleicht nicht außergewöhnlich sein, doch sie ist eindeutig meine.

AUFGEWACHSEN in Deutschland, in einem mehr oder weniger kulturell christlichen Umfeld, hatte ich nur ein vages Verständnis von einer „höheren Macht“ und einer undefinierten Wahrheit, die mich glauben ließ, dass jeder religiöse Anspruch letztlich ein Weg zu Gott sei. Als diese „Wahrheit“ sich in meinem Denken festsetzte, fühlte ich mich nicht mehr verpflichtet, über dieses „Gott-Ding“ nachzudenken.

DIE WELT
Musik war seit meiner Kindheit meine größte Leidenschaft. Ich erhielt eine fundierte klassische Klavierausbildung, verbunden mit der Hoffnung meiner Eltern, ich könnte eines Tages Konzertpianist werden. Doch als ich begann, in Bands zu spielen, entwickelte ich meine eigenen musikalischen Träume. Mit 17 Jahren startete ich meine professionelle Karriere als Keyboarder, tourte mit Bands durch Deutschland und andere deutschsprachige Länder. Schließlich begann ich auch, Songs zu schreiben, erzielte weltweiten Erfolg, mein Name erschien in populären Magazinen, und auch mein Bankkonto war zufrieden. Das Leben schien gut – doch war es das wirklich?

DER ZUSAMMENBRUCH
Ich war stolz auf meine Erfolge, doch gleichzeitig überschwemmten mich Stress, Ängste, Depressionen, Zorn und Unzufriedenheit. Mein Berufs- und Privatleben zerbrachen, und ich verlor buchstäblich alles, woran ich zu glauben geglaubt hatte. Den Zusammenbruch meiner persönlichen Beziehungen verstand ich – ich war egoistisch. Aber warum scheiterte mein Beruf? Ich war gut in dem, was ich tat, hatte Belege dafür – warum funktionierte nichts mehr? Ich wurde selbstzerstörerisch, und der emotionale Schmerz, einen weiteren Tag zu überstehen, war oft unerträglich. In einer Nacht, in meinem leeren Haus, an einem Tiefpunkt meiner Selbstzerstörung und Selbstmitleids, beeinflusst von Alkohol und kaum noch ich selbst, fiel ich vor dem Gott auf die Knie, den ich nicht kannte, aber zu dem ich hoffte, dass es ihn gibt. Was dort in Verzweiflung niederfiel, war die Erkenntnis meines wahren Ichs – eine Erkenntnis, die dank Gottes Gnade nicht zu spät kam. Ich war eine sündige, verlorene und unerlöste Seele.

DIE SUCHE
Trotz aller Hoffnungslosigkeit war ich in jener Nacht erstmals seit Langem geistig klar. Ich rief den Gott an, den ich nicht kannte: „Bist Du da? Hilf mir! Ich bin verloren! Ich brauche Dich!“ Mein Verlangen nach Gott war in diesem Moment echt, und es tat gut, alles auszusprechen. Dennoch erwartete ich keine übernatürliche Antwort – ich lag falsch.
Gott kümmert sich nicht darum, wer du bist oder was du getan hast. Alles, was Er will, ist ein zerbrochenes Herz, dessen Innerstes Er längst kennt, und das frei zu Ihm kommt und sagt: „Ich brauche Dich.“ Diese Nacht war dieser Moment für mein Herz.
Am nächsten Tag fühlte ich mich erleichtert, doch das emotionale Drama allein erklärte nicht die folgenden Wochen und Monate, in denen ich einen „sanften Griff Gottes“ spürte. Er trat zuerst durch E-Mails von Bekannten in mein Leben, die plötzlich ihren christlichen Glauben auf fast schon „extreme“ Weise offenbarten. Gleichzeitig kamen auch Botschaften von Anhängern anderer Religionen, die mich bekehren wollten.
Ich lernte, dass auf einer Suche nach Gott auch der „Engel des Lichts“ vor einem stehen kann, der versucht, dich durch die falsche Tür zu führen (2. Korinther 11,14). Als mein gebrochenes Herz zu Gott kam, öffneten sich Himmel – aber auch Hölle. Beide kämpften um mich.

DER HUNGER
Mein spiritueller Motor lief nun an. Ich kaufte Bücher – die Bibel, eine Kurzfassung des Korans, Werke über Buddhismus, Judentum und viele weitere. Besonders aber interessierte mich die Bahá’í-Religion, die im Kern alle bestehenden Religionen zu verbinden versuchte. Ich betete viel zu Gott, betrachtete Jesus noch als großen Propheten, einen außergewöhnlichen Menschen. Er, Buddha, Muhammad und andere waren für mich Boten Gottes.
Ein Bahá'ífreund aus den USA erzählte mir von einem Tempel in London, dessen Türen immer offenstanden, und dass die Bahá’í mich herzlich willkommen heißen würden, wenn ich einfach vorbeikäme. Zur gleichen Zeit hatte ich die Moeglichkeit in London zu arbeiten und war neugierig, diesen Tempel zu besuchen.
Eines freien Tages machte ich mich auf den Weg, ängstlich, aber gespannt. Ich betete zu Gott um Führung zur Wahrheit. Als ich am Tempel ankam, war die Tür verschlossen, und niemand war dort. Ich lief noch um den Tempel herum um einen anderen Eingang zu finden, aber auch der Hintereingang war verschlossen. Ich wusste sofort: Gott hatte mich am Eintritt gehindert. Ein Gespür in mir sagte, DAS soll nicht sein.
Ich fühlte mich nun mehr zur Exklusivität Jesu hingezogen, ohne jedoch genau zu verstehen, was das bedeutete. Während mein berufliches Leben weiter zerfiel, ich Haus, Auto und einfach mein gewohntes Leben verlor und dazu noch mit dem unschönen Gedanken kämpfte, mit 38 Jahren wieder bei meiner Mutter einziehen zu müssen, fasste ich den Entschluss, mein Leben fernab von Schmerz und Vergangenheit neu zu beginnen.

EIN NEUANFANG
Ich entschied mich, in die USA zu gehen, eine Entscheidung, die angesichts bürokratischer Hürden alles andere als einfach war. Doch Gott machte es möglich. Dank Unterstützung von Songwriter-Freunden aus Deutschland und den USA, die für mein Visum bürgten, erhielt ich ein seltenes Visum für „Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in den Künsten“ und zog in die USA.
Nach einigen Wochen in einem einfachen Hotel in Atlanta fand ich eine dauerhafte Unterkunft in einem Vorort. Dort stellte ich mich meiner älteren Nachbarin vor, die mich sofort fragte, ob ich Christ sei und ob ich mit ihr am nächsten Sonntag in die Kirche kommen wolle – eine überraschend direkte Einladung. Höflich stimmte ich zu. So besuchte ich an den folgenden Sonntagen ihre kleine Landkirche. Die Gemeinde nahm mich herzlich auf, wusste um meine Suche und meinen Bedarf an Jesus. Zum ersten Mal hörte ich dort das Evangelium und begann, es zu verstehen.

DIE NEUE GEBURT
Zwei Monate später, am Ende eines Gottesdienstes beim sogenannten „Altarruf“, bei dem Menschen eingeladen werden, ihr Leben Jesus zu übergeben, erlebte ich etwas Unvergessliches. Während das traditionelle Kirchenlied „Just as I Am“ auf dem Klavier erklang, lud der Prediger dazu ein, nach vorne zu kommen. Obwohl normalerweise niemand mehr zum Altar kommt, da alle schon gerettet sind, spürte ich ein kraftvolles Wirken des Heiligen Geistes in mir.
Neben meiner Nachbarin stehend, die mit Enthusiasmus sang, fragte ich zögernd, ob es in Ordnung sei, nach vorne zum Altar zu gehen. Sie nickte lächelnd. So stand ich auf und ging langsam durch den Gang zum Altar. Die Musik schien lauter und schöner zu werden, berührte mich tief, und ich sah mein wahres Ich und meine sündige Natur so klar wie nie zuvor. Tränen liefen mir über das Gesicht, und je näher ich zum Altar kam, wusste ich, dass ich in die Arme Jesu laufe. Als der Prediger fragte, ob ich mein Leben Christus anvertrauen wolle, sagte ich leise „Ja“. Die Gemeinde kam, umarmte mich, weinte mit mir und freute sich. Das war mein neuer Geburtstag: der 18. Februar 2001.

EIN NEUES LEBEN
Einige Monate später traf ich meine Frau, eine christliche Songwriterin aus Nashville (eine weitere Geschichte von einem Gott, der im Detail wirkt) und Pastorentochter. Keiner von uns war zuvor verheiratet gewesen, und wir gingen schließlich im Alter von 42 Jahren diese Bindung ein. Ich ließ mich taufen und begann, in Kirchen als Musiker zu wirken. Später zog ich nach Ohio, um in anderen Gemeinden als Musikleiter zu wirken, bis ich 2008 in Columbus eine dauerhafte kirchliche Heimat fand, in der ich bis heute diene.

DAS IST MEINE GESCHICHTE, DAS IST MEIN LIED
Meine Geschichte ist nicht einzigartig. Es ist die Erlösungsgeschichte Gottes, die oft erzählt wurde: Der, der uns unermesslich liebt, überreicht eine Krone der Schönheit statt Asche, Freude statt Trauer und festlichen Lobpreis statt Verzweiflung. Seine Geschichte ist einzigartig.